Die Autorin,
Valerie Gogolin,
lebt in Köln.
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"Die Autorin"

01.07.1949
….Wenig über ein Jahr „Ehe“, und ich war sechs Jahre auf Reisen mit wechselndem Aufenthalt. ……Diese 6 Jahre waren randvoll von Erleben schönster und hässlichster Dinge. …..Ich habe, als die Russen uns zurückdrängten, für einen Menschen, den ich sehr liebte, mein Leben gewagt; In Estland war es. Es war umsonst.

….Einmal kam mir ein Mann meines Alters näher. Das war 1939, als ich in Münster eingezogen wurde. Lutz Lennartz wurde mir sehr viel. …. Eigentlich hatte er viel mit Dir gemeinsam. Unser Lutz wurde nach ihm genannt. Das hatte er sich erbeten, aber nicht mehr erlebt. Er fiel als Fallschirmjäger auf Kreta. Seine letzte Karte erreichte uns in Königsberg. Lotte war 14 Tage vor dem Einsatz dort. „Und die Sonne Homers, sie lächelt auch uns“ schrieb er. Am nächsten Tag lag er mit sechs anderen im Massengrab.

29.04.1951
…Die Menschheit wird immer ärmer, immer flacher. Man sieht dies u.a. daran, mit wie wenig Worten heute die Menschen auskommen.

09.04.1952
…Ich entsinne mich sehr genau eines Wegweisers an einer viel befahrenen Kreuzung in Narwa, einer Grenzstadt zwischen Estland und Russland. Dort stand: Nach Petersburg 120 km, nach Köln-Mülheim 2.475 km.

03.06.1952
…Ich werde nie im Leben vergessen, wie ich nach dem Zusammenbruch in Räuberzivil, ohne Papiere, jedem Zugriff der Befreier ausgesetzt nach eigenhändiger Abmusterung durch Hamburg schlich und die verteufelte Mühe hatte, mich in mein Heimatgebiet durchzumogeln. Ich predige meinem Jungen so oft ich kann, dass alles Soldatenspielen eitel Unfug sei.

…Wenn man Deine Briefe liest, ist man versucht, jedem nur zu raten, ins gelobte Land zu ziehen. Dabei ist es nur Dein Fall, den günstig zu gestalten Du in der Hand hast.

10.12.1957
…Hoffentlich kommt jemand, der sich mehr und intensiver mit der Wiedervereinigung beschäftigt, über die ja seit vielen Jahren mehr geredet als in die Tat umgesetzt wird.

17.01.1967
…Im Übrigen macht man ja viel zu viel Kalaumes um Kennedy. Gewiss, sein Tod war tragisch, und durch diesen dummen Hund von Ruby ist auch noch der Legendenbildung Tür und Tor geöffnet. Aber hätten die Götter ihren Liebling Kennedy nicht so früh sterben lassen, er wäre jetzt genau so auf dem absteigenden Ast wie Johnson, denn schon zu Kennedys Zeit waren die Amerikaner zu tief in ihr Vietnamabenteuer verstrickt, als dass sie ohne Verlust an Gesicht hätten da herauskommen können.

23. November 1968
…Du traust dem Frieden in Europa nicht. Weswegen Du uns unter Umständen Asyl zu gewähren bereit bist. Aber so schlimm ist das gar nicht. Im Gegenteil; hast Du nicht schon mal den Gedanken erwogen, Dein „Alter“ in Europa zu verbringen?

08. Dezember 1974
…Am 17. Juli habe ich das Haus am Mauspfad verlassen und bin in eine geräumige Mietwohnung in Klettenberg gezogen. Die Verhältnisse waren unerträglich geworden. Der Mensch, mit dem ich 36 Jahre verheiratet war, hatte sich in den letzten Jahren so schrecklich charakterlich verändert, dass ich Grund zur Annahme habe, bei ihr ist ein Persönlichkeitswandel eingetreten.

02. Dezember 1980
…Die Menschen, die Generation die keinen Krieg gekannt haben, sind so überheblich geworden, dass ein Nasenstüber nur gut tun kann. Wir wissen ja, mit wie wenig man auskommen kann. D i e   nicht.

…Dieser Tage fand ich meinen Stenografen Ausweis aus dem Jahr 1935 mit Lichtbild. Was war ich da für ein anmutiger Knabe!

09. März 1982
…Wir werden zurzeit – und das hat ja seinen langen Vorlauf - ganz miserabel regiert......Es mangelt an jeglicher Voraussicht, die doch die Hauptvoraussetzung dafür ist, ein guter Politiker zu sein.